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JESÙS † PASTOR
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SCHWARZWEISS 98 Magazin

Text: Patrick Brakowsky
Interview with Jesús Pastor about the photographic project «Amador Rabal»

Die folgende Geschichte mag morbid erscheinen, denn sie erzählt vom Tod als alltäglichen Begleiter, von stets präsenter Trauer und der technischen Umsetzung der Abschiednahme. Zugleich berichtet sie aber auch von Normalität, vom ganz gewöhnlichen Leben in einer Umgebung des Todes. Und es ist die Geschichte einer Freundschaft zweier Menschen, die sich ihren Ängsten stellen – der eine als Totengräber, der andere als Fotograf. Wir sprachen mit dem Spanier Jesús Pastor über sein sehr persönliches fotografisches Projekt.

Soria ist die Hauptstadt der dünn besie- delten gleichnamigen Provinz im Norden von Spanien. Gerade einmal 40.000 Menschen leben in der Stadt am Oberlauf des Duero. Einer von ihnen ist Amador Rabal, von Beruf Totengräber. Ein anderer, Jeús Pastor, ist Fotograf. Er wohnt inzwischen in Berlin, nennt Soria aber seine Heimatstadt und hielt sich vor einigen Jahren längere Zeit hier auf. Die beiden begegneten sich an einem für die meisten Menschen traurigen, einsamen Ort und doch erwuchs aus dieser Begegnung eine intensive zwischenmenschliche Beziehung – und ein ungewöhnliches Fotoprojekt.
In Soria begann Jesús Pastors Leidenschaft für die Fotografie, als ihm sein Vater im Alter von 13 Jahren eine Mittelformatkamera in die Hand drückte und er begann damit zu experimentieren. Doch schließlich war es die Malerei, die ihn seinen Heimatort verlassen und seine künstlerische Laufbahn beginnen ließ. Er studierte an der Universität der feinen Künste in Salamanca und schätzt und nutzt die Malerei auch heute noch als küntlerisches Ausdrucks-mittel, doch die Fotografie hat für den Spanier eine ganz persönliche, man möchte fast sagen selbsttherapeutische Funktion: „Die Fotografie ermöglicht es mir meine Ängste und die Umgebung, in der ich lebe, zu dokumentieren und das auf eine unmittelbare Art und Weise.“ Zu fotografieren heißt für ihn nicht das Abbilden von schönen Din- gen, sondern eine Konfrontation mit sich selbst und seinen eigenen dunklen Seiten.
Vor einigen Jahren in Soria machte Jesús Pastor regelmäßig Spaziergänge auf einem Friedhof. Er genoss die Stille an diesem Ort und brachte hin und wieder Blumen an die Gräber von Angehörigen. Auf seinen täglichen Besuchen traf er auf Amador Rabal. Er ist einer der Männer, die hier für das Ausheben der Gräber zuständig sind. Jesús Pastor beobachtete den Mann bei seiner täglichen Arbeit und war so fasziniert, dass er ihn schließlich ansprach und die bei- den ins Gespräch kamen. Es war, wie der Fotograf heute erzählt, der Beginn einer großartigen Freundschaft.

Die Bilder zeigen Amador Rabal in vielen äußerst privaten Momenten. Wie gelang es Ihnen sein Vertrauen zu gewinnen?
Jesus Pastór: Nun, zunächst fotografierte ich ihn überhaupt nicht. Über mehrere Monate hinweg beobachte ich ihn nur, begleitete ihn in seinem Alltag und wir unterhielten uns. Mit der Zeit lernten wir uns besser kennen, respektierten und schätzten uns. Erst als ich das Gefühl hatte, dass wir eine enge Verbundenheit
aufgebaut hatten und er mir vertrauen konnte, begann ich zu fotografieren. Es dauerte fast acht Monate, bis wir diese Art der Beziehung aufgebaut hatten und Amador sich schließlich an meine Kamera gewöhnt hatte.
Ihre Bilder erzählen einerseits von einem alltäglichen Leben und sie offenbaren zugleich ein Gefühl von Einsamkeit. Haben Sie Amador Rabal als einen einsamen Menschen erlebt? Ich entschied mich für dieses Projekt, weil ich es ungemein faszinierend fand, dass dieser Mann Tag für Tag mit dem Tod konfrontiert ist und wie er damit umgeht. Und obwohl ihm sicherlich eine Aura der Einsamkeit und der Tiefe umgibt, habe ich ihn eigentlich als einen sehr sozialen und extrovertierten Menschen erlebt. Er ist eine sehr freundliche Person, dessen Gesellschaft ich sehr genieße.

Wie geht Amador mit dem Tod um?
Er erzählte mir, dass er zu Beginn Angst davor hatte in diesem Beruf zu arbeiten, insbesondere was das Ausgraben und Transportieren von Leichen anging. Doch im Laufe der Zeit begann er sich seinen Ängsten zu stellen und versuchte sich nicht länger von dem Tod einschüchtern zu lassen. Und anstatt seine Arbeit als eine tägliche Routine wahrzunehmen, erkannte er, dass er Familien in ihrer tragischen Zeit der Trauer mit seinem Tun sogar unterstützen könnte.
Sie sagen, jedes neue Projekt ist ein Abenteuer ins Unbekannte und eine Möglichkeit, Ihren Ängsten Ausdruck zu verleihen. Hat sich Ihre Wahrnehmung von Themen wie dem Tod nach diesem Projekt verändert?
Ich fühle mich von diesen Themen im hohen Maße angezogen und habe zugleich große Angst und Respekt vor ihnen. Diese Ängste begleiten mich seit meiner Kindheit. Indem ich mich unmittelbar mit dem Tod konfrontierte, gelang es mir meine Wahrnehmung vom Tod zu relativieren. Dank der vielen Gespräche mit Amador Rabal und der Weiterentwicklung meiner fotografischen Arbeit habe ich weniger Angst vor dem, was mich erwartet, wenn ich diese Welt einmal verlassen werde.

Wie fühlt es sich an den Tod als Teil des Alltags zu erleben?
Es ist sehr intensiv. Ich habe es als sehr schmerzvoll und emotional aufreibend erlebt, Tag für Tag Beerdigungen beizuwohnen und so viele leidende Menschen in so kurzer Zeit zu sehen. Es war sehr erdrückend und ver- langte mir viel Selbstreflexion ab, weil in derselben Zeit auch meine Großmutter ver starb. Ich musste lernen den Tod als einen natürlichen Prozess des Lebens zu verstehen.

Wenn Sie sich einem Projekt wie „Amador Rabal“ widmen, haben Sie im Vorfeld bereits eine Vorstellung davon, wie Sie Ihre Motive fotografieren wollen? Gibt es da eine Art Vorab-Visualisierung oder entstehen die Fotos eher intuitiv?
Als ich dieses Projekt begann, hatte ich vor allem das große und dringende Bedürfnis eine Geschichte zu erzählen. Ich habe mir vorher keine Gedanken darüber gemacht, wie ich das Thema konkret fotografisch umsetzen würde. Ich nehme die Momente, wie sie passieren. Das erscheint mir natürlicher und glaubwürdiger und entspricht meinem Anspruch, dokumentarisch zu arbeiten. Erst im Nachhinein reflektiere ich über die Bilder und treffe eine Auswahl. Auf diese Weise verschaffe ich mir einen Überblick über meine Arbeit.

Sie sagen, dass das Fotografieren Sie näher zur Transzendenz führt. Können Sie das etwas näher beschreiben?
Wenn ich über Transzendenz spreche – in einem unmittelbaren oder elementaren Sinne – meine ich dies als eine räumliche
Metapher. Es geht darum, näher an einen Bezugspunkt zu gelangen und die Grenzen von Bildern zu durchbrechen.
Sie sagen außerdem, dass es Ihnen in Ihrer Fotografie darum geht, sich selbst zu finden. Haben Sie das Gefühl dieses Ziel erreicht zu haben oder handelt es sich hierbei um eine end- lose Suche?
Jedes Foto ist ein Spiegel für jeden Menschen. Zur gleichen Zeit ist der Vorgang des Fotografierens für mich eine permanente und herausfordernde Suche nach mir selbst. Es ist ein langsamer und lang-wieriger Prozess, der ein ganzes Leben dauern kann. Es ist der Beginn einer lan- gen Reise, um mich selbst zu verstehen.

Dem Tod ins Gesicht geschaut

Text by Constanze Kleiner / Stephan von Wiese
Written for the exhibition of the series Inhabited Silence / Amador Rabal / Matador

Jesús Pastors künstlerische Wurzeln in der spanischen Fotografie

Der seit 2010 in Berlin lebende Fotograf Jesús Pastor ist in der spanischen Kultur- und Geisteswelt verwurzelt. Spanien ist sehr geprägt von archaischen Ritualen, exzessiver Mystik und obsessiver
Gläubigkeit – von Stierkampf und Flamenco! Einem Kanon aus leidenschaftlicher Geste, kraftvollem Bild und dem Stakkato von Klängen in Sprache und Musik. Expressivität in allen Facetten bis zum
Pathos ist weit mehr charakteristisch für die spanische Kultur als Introvertiertheit und Zurückhaltung.
Für die spanische Fotografie ergab und ergibt sich hier ein weites Feld – sie war und ist facettenreich,
phantasievoll und von existentieller Tiefe. Das Werk von Jesús Pastor bestätigt dies aufs Neue.

Seine Aufnahmen dokumentieren spannungsgeladene Rituale zwischen Tod und Leben in einer großen Spannweite zwischen Melancholie – über Existenzangst, Todessehnsucht, Lebensgier – bis zur Euphorie.

Eine große Rolle spielen dabei die Porträts. Sie zeigen Unbekannte aus seiner Heimat: stolze
Matadore, schlichte Totengräber oder andächtige Nonnen – nur um einige Beispiele aus seinem
Repertoire zu nennen. Und er zeigt sie alle in ihrer Würde. Viele dieser Aufnahmen sind auf
verschlüsselte Weise auch Momentaufnahmen vom Innenleben des Fotografen.

Auch Jesús Pastors Schaffen bezieht sich auf die surreale Imaginationskraft des Filmregisseurs Luis
Buñuel – sie hat auch seinen Blick geschult. So zeigt er mit den Gesichtern der Menschen, die er
porträtiert hat, immer auch sofort deren ganzes bewegtes Leben. Er hat viel Zeit mit ihnen verbracht,
er kennt ihre Geschichten. Er hält sie für uns mit seinen Fotos fest.

Das fotografische Werk von Jesús Pastor ist eine „tragische Liturgie von Tod, Schönheit und Erotik“. Es sind sehr nahe und nahegehende
Momentaufnahmen von Menschen. Jesús Pastor gelingt ein tiefer Einblick in die jeweilige
Persönlichkeit. Der Künstler versetzt sich mit einer solchen Intensität in jeden der Porträtierten, dass
dieser dem Betrachter buchstäblich selbst aus den Augen der auf Fotopapier gebannten Gesichter
entgegenblickt. Es sind Gesichter, die uns nicht mehr verlassen.

„Warum fotografieren Sie Nonnen, Herr Pastor?“

DIE WELT
Text: Dagmar von Taube
Interview with Jesús Pastor

Der spanische Fotograf Jesús Pastor hat in seiner Heimat einen Monat lang Nonnen begleitet. Ein Gespräch über die Einsamkeit der Ordensschwestern.
Jesús Pastor (er heißt wirklich so) erscheint auf die Minute pünktlich, nicht nur weil er höflich ist. Zeiten einzuhalten, dem Tag Struktur zu geben, sei für ihn überlebenswichtig, sagt er. Dazu zählt auch sein allmorgendliches Hardcore-Ritual: eine Stunde Sprinten durch den Berliner Volkspark Friedrichshain. Zum Gespräch erscheint der hohlwangige Künstler in schwarzer Rocker-Kluft. „Ich mag die Kälte“, sagt der Spanier. „Der Winter ist mir lieber als der Sommer, die Nacht vertrauter als der Tag, der Tod war mir näher als das Leben. Aber lassen wir das“, winkt er ab. Er hat das krasse Nachtleben dokumentiert – und Ordensschwestern.

ICONIST: Warum fotografieren Sie Nonnen, Herr Pastor?

Pastor: Ich bin ein Aufzeichner. Es geht um die Einsamkeit in mir.

ICONIST: Wieso kommen Sie da auf diese Frauen?

Pastor: Es sind die Ordensfrauen vom Heiligen Herzen in meiner spanischen Heimatstadt Soria. Wenn ich in ihre Gesichter blicke, spüre ich ihr Einsamsein. Können Sie das nicht nachempfinden? Stellen Sie sich vor, Sie würden mit Ihrem Finger über ihre Haut und Falten fahren, als könnten Sie beinahe das Licht und die Schatten streicheln. Ich höre das Echo in den Korridoren von den Schritten ihrer Sandalen auf den Terrazzoböden. Die Stille, die sich ihren Weg durch das Gebeugte bohrt und so eine Leere hinterlässt. Ich studiere den Schmerz.

ICONIST: Sie könnten auch irgendwelche Menschen zeigen.

Pastor: Ich habe Nonnen fotografiert in meinem Leben, Stierkämpfer, Nackte, Betende, „wilde Wölfe“ bei Orgien und in Arenen. Tränen, Tod, Schweiß, Blut im Sand, auf Lippen und aus Venen. Meine Faszination ist stets die Gleiche: Über die Grenze der scheinbaren Normalität zu treten. Ich habe ein halbes Jahr lang einen spanischen Friedhof besucht. Dort wanderte ein Mann, ein Totengräber, durch Kruzifixe und bunte Blumenbeete, die goldenen Buchstaben und Grabsteine reinigend. Ich beobachtete ihn dabei, wie er seine Löcher grub. Seine Arbeit mag verstörend klingen, aber er führte sie mit der Würde eines Gärtners aus, der seine Pflanzen mit Liebe und Hingabe pflegt. Genau darum geht es: um die Verwandelbarkeit des Menschen in ein anderes, manchmal fremdartiges Wesen. Um das Verborgene, kaum Wahrnehmbare.

ICONIST: Sechs Nonnen. Es sind sehr maskuline Gesichter. Was lesen Sie in diesen Wesen? Sind es für Sie überhaupt Frauen?

Pastor: Es stimmt, es umgibt sie keine sehr feminine Aura. Das Geschlechtslose ist ja erwünscht. Aber sie waren auch mal jung. Ich sehe das Mädchenhafte, auch etwas Entrücktes. Wir wissen nicht, ob sie die Liebe zu einem Mann je verletzt hat. Es sind natürlich Frauen für mich, aber eher mütterliche als stolze Wesen. Sie haben die Schönheit von alten Bäumen.

ICONIST: Die Porträts sind Teil eines Zyklus, der gerade in Berlin gezeigt wird. „Miradas – Nonnen, Stierkämpfer, Totengräber“ heißt Ihre Ausstellung.

Pastor: Ja, es geht um Blicke. Und um Macht.

ICONIST: Ihr Landsmann, der Regisseur Pedro Almodóvar hat sich immer wieder mit seinen Filmen am Katholizismus abgearbeitet. Sie sind Mode- und Dokumentarfotograf. Was ist Ihr Ansatz?

Pastor: Ich weiß nicht viel über diese Nonnen. Einige von ihnen haben an der Schule unterrichtet, an der ich früher Schüler war. 2008 durfte ich sie einen Monat lang begleiten, jeden Morgen um sieben zur Morgenandacht, auch danach, wenn sie meditierten oder vertieft in das Lesen der Bibel waren. Nach einer Weile durfte ich elf von ihnen porträtieren, alle an einem Tag, nur mit dem Licht, das durchs Fenster kam. Wohin gucken? „Lasst uns auf Gott schauen, Schwestern“, entschied die Älteste. Man sieht in ihre nackten Gesichter, sieht Andacht, Gebet, Disziplin.

ICONIST: Erfüllung?

Pastor: Wie legen sie morgens ihre Kleider an? Wer schneidet ihnen ihr Haar? Wie leben sie, sie tragen nicht mal richtige Namen. Man hört nur „Schwester Soundso“ oder „Mutter … “ – ich war in einem Raumschiff. Ich kann Ihnen keine Antwort auf Ihre Frage geben. Ich versuche nur, mich in meiner Einsamkeit zurechtzufinden.

ICONIST: Warum fürchten Sie das Alleinsein?

Pastor: Als ich ungefähr drei Jahre alt war, wachte ich mit Todesangst auf. Seitdem bin ich auf der Suche nach Antworten auf eine Vergangenheit, die von Angst geprägt ist. Von Unbeständigkeit. Die Notwendigkeit, Fotos zu machen, entsteht spontan. Ich trage meine Kamera überall bei mir. Es geht immer um die Erkundung des Augenblicks, des Lebens, der Vitalität, der Sexualität, der Sinnlichkeit, der schmutzigen Seele, während wir gleichzeitig unsere Sterblichkeit anerkennen.

ICONIST: Das hört sich alles so schwer und düster an. Haben Sie denn nicht auch mal irgendetwas Schönes erlebt?

Pastor: Sicher auch. Aber Sie werden kein lachendes Gesicht unter meinen Arbeiten finden. Gelächter ist wie Sommer, Strand. Schrecklich gewöhnlich, es langweilt mich. Außer bei Schwester del Rosario. Sie war leicht verrückt.

ICONIST: Ihre Nonnen erscheinen einem fast identisch. Worin zeigt sich das Individuelle für Sie?

Pastor: Ja, gut, die Individualität wird ihnen ja auch aberzogen. Diese Frauen stehen nur im Dienste, sie haben kein eigenes Ich. Es sind Gottes Ehefrauen. Deswegen schminken sie sich nicht und tragen bequeme Schuhe. Es sind Wesen in Uniform, Soldatenengel, wenn Sie so wollen. Wie bei Hund und Halter, sie gleichen sich einander an. Am Ende sind wir eh alle Knochen und Schädel.

ICONIST: Schwester Alicia sieht irgendwie knuffig aus und Helmut Kohl sehr ähnlich.

Pastor: Jedes Gesicht gibt es wohl mehrfach.

ICONIST: Spricht Sie etwas an der Uniform dieser Frauen besonders an?

Pastor: Mir gefällt grundsätzlich schwarze Kleidung. Es ist elegant. Ihre Uniformen sind es auch.

ICONIST: Ist es einem Gesicht anzusehen, ob die Person Sex hat oder je hatte?

Pastor: Woran soll man das erkennen? Am Blick? Manchmal leuchten traurige Augen stärker, weil das Gefühl viel tiefer geht. Ich liebe rot geschminkte Lippen. Rot symbolisiert Sex für mich, Blut, Leben. Der Hunger, der aus der Lust kommt, treibt den Walzer der Nacht an …

ICONIST: Sie sind Katholik, an was glauben Sie?

Pastor: An mich, ich glaube an mich. Ich lebe nicht im Luxus, meine Küche ist kaum größer als eine Dusche, aber ich habe gelernt, mich zu verwöhnen, als wäre ich mein bester Gast. Ich kaufe mir Rosen, ich koche, decke den Tisch für mich. Du musst wie ein Lover leben, auch wenn du allein bist.

Jesús Pastor, Fotograf, wollte er eigentlich Maler werden. Er studierte Malerei in Salamanca, entdeckte dann die Kamera. Über Pastor, der sich als Mode, und Dokumentar-Fotograf bezeichnet, heißt es, er schaue dem Tod ins Gesicht. Seine Arbeiten, zahlreich ausgezeichnet, erzählen von Einsamkeit, Ängsten, Abgründen und Lebensgier bis zur Euphorie, besonders sein autobiografisches Werk „Slow Return“. Die Nonnen-Porträts tragen den Titel „Inhabited Silence“. Seit 2010 lebt der Spanier, der fantastisch kocht und Rosen liebt, in Berlin, wo er auch Fotografie unterrichtet. Die Capitis Studios zeigen seine Ausstellung „Miradas, Nonnen, Stierkämpfer, Totengräber“ noch bis 13. Januar.

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